Tatjana Dannik, Wasyl Sawtschak UKRAINISCHE TAGE IN WIENZum 100. Geburtstag des Komponisten Andrij HnatyschynSeine Lieder, seine geistlichen Werke und Bearbeitungen ukrainischer Volkslieder haben schon lange in die Schatzkammer der ukrainischen Kunst Eingang gefunden. Sie sind von der Melodik der Volksmusik erfüllt und farbig durch ihren nationalen Geist, hoch ästhetisch, was die Meisterschaft anbelangt. Die Werke von Andrij Hnatyschyn erklingen nicht nur in der Ukraine, wo der Komponist das Licht der Welt erblickt hat, sondern auch in Österreich, dem Land in dem seine Formung als Künstler und Mensch mit einem hohen Gefühl für Verantwortung und Patriotismus gegenüber seiner alten Heimat stattgefunden hat. Die Musik des großen Meisters erklingt in allen Weltgegenden, in denen Ukrainer leben, wo ukrainischer Geist und ukrainischer Gesang weilen... Andrij Hnatyschyn wurde am 26. Dezember 1906 im Dorf Czyžykiw nahe bei Lemberg, noch zu Zeiten der Österreich-Ungarischen Monarchie, geboren. Nach Abschluss des Gymnasiums studierte er ab 1928 an der Theologischen Akademie und zur Weiterbildung am Lysynko-Musikinstitut in Lemberg. Schon im Gymnasium zeigte sich seine ungewöhnliche kompositorische Begabung. Er studiert bei Meistern wie B. Kulyk, L. Lewycka, Stanislaw Ludkewytsch und Nestor Nyžankiwskyj. Der damalige Metropolit Andrij Scheptyckyj erkannte das außergewöhnliche musikalische Talent des jungen Studenten und gab ihm ein Stipendium; Hnatyschyn fuhr im Jahr 1931 in die österreichische Hauptstadt, um am Wiener Konservatorium zu studieren. Nach dem Abschluss blieb er in Wien und setzte sein Studium durch Weiterbildung in Kompositionstechnik privat fort. Später übernahm er die Leitung des Chores in der St. Barbara Kirche und blieb dieser ereignisreichen Aufgabe etwa 60 Jahre seines Lebens treu. Professor Andrij Hnatyschyn schrieb über zweihundert kirchliche und weltliche Musikwerke. Als Kunst- und Musikkenner bereicherte er durch sein weites Interessensgebiet die Literatur der Kirchenmusik, machte die ukrainische Vokal-, Chor- und Volksmusik durch vorbildliche Schallplattenaufnahmen, zahlreiche Chorkonzerte, Radio- und Fernsehübertragungen in Europa bekannt. Unvergesslich blieb für den Komponisten das Jahr 1988, als er in Rom während der Papstmesse im Dom von St. Peter den Chor von St. Barbara gemeinsam mit anderen Chören ukrainischer Gotteshäuser, - anlässlich der 1000-Jahrfeier zur Taufe der Rus'-Ukraine - die Heilige Liturgie dirigierte, die von Papst Johannes Paul II. zelebriert worden ist. Gott schenkte Andrij Hnataschyn ein glückliches langes Leben und der große Ukrainer erlebte die Proklamation der Unabhängigkeit seiner geliebten Ukraine. Er weilte in seiner engeren Heimat, dem Gebiet von Lemberg, und hatte bewegende Erlebnisse und Begegnungen mit seiner Mutter, die er lange, schmerzliche Jahrzehnte nicht gesehen hatte... Wichtige Ereignisse waren Konzerte mit Aufführungen der Werke von Andrij Hnatyschyn, bei welchen er wie in der Lemberger Oper im Jahr 1991, so auch in Kiew im Orgel- und Kammermusiksaal im Jahr 1994, anwesend war. Dort begrüßten und ehrten ihn seine Kollegen aus der Ukraine, Musiker und ein zahlreiches Publikum. Nach dem Tod des Professors (1995) wurden, entsprechend dem Wunsch des Komponisten, Bücher und ein wesentlicher Teil seines Archivs der Nationalen Wernadskyj-Bibliothek in Kiew übergeben...
Die Feierlichkeiten zum 100. Geburtstag von Andrij Hnatyschyn fanden in der Kirche St. Barbara in Wien statt. Das Hochamt zelebrierte der Generalvikar der Ukrainischen Griechisch-Katholischen Kirche in Österreich Mitrat Dr. Alexander Ostheim-Dzerowycz gemeinsam mit dem Pfarrer der Kirche St. Barbara Viktor Kurmanowytsch, dem Kaplan Mag. Oleh Kovtun und dem Domkurat von St. Stephan Mag. Franz Schlegl. Die Heilige Messe mit Werken von Andrij Hnatyschyn wurde vom Chor „Kamenjar“ aus Drohobycz gesungen, der sich aus Lehrkräften und Studenten der Musikhochschule Drohobycz zusammensetzt. Nach der Liturgie bot hörten wir einige weltliche Werke und Volkslieder in der Bearbeitung von Prof. Hnatyschyn.
Der Komponist, Dirigent, einzigartige Mensch und Patriot Andrij Hnatyschyn kam wieder in sein Gotteshaus zurück, diesmal für immer. Das ukrainische Lied im Wiener RathausEs war bereits zum 25. Mal, dass in Wien das vorweihnachtliche „Internationale Adventsingen“ stattfand, das von der Kulturabteilung – MA 7 der Hauptstadt Österreichs organisiert wird. Dies ist ein einmaliges Festival, an dem alljährlich Chorensembles aus verschiedenen Ländern der Welt teilnehmen. Die Jubiläumsveranstaltung des Jahres 2006 versammelte im Festsaal des Wiener Rathauses über 100 Chöre. Mit großem Erfolg traten Ensembles aus Österreich, Deutschland, Irland, Polen, Tschechien, der Slowakei, Ungarns und aus anderen Ländern auf. Am 2. Dezember gab im nahezu überfüllten Festsaal des Wiener Rathauses das Kammerensemble „Kamenjar“ aus der Ukraine auf, das aus dem Lehrkörper und Studenten der Musikhochschule der Stadt Drohobycz, im Gebiet Lemberg, gebildet wird. Der Name des Chores ist wahrhaft symbolisch. Die Sänger vertraten die Heimat des berühmten ukrainischen Schriftstellers Iwan Franko, der im Geistesleben der Ukraine als „Steinbrecher“ gilt und als Wegbereiter zur Freiheit gefeiert wird. Der Chor bot eine Reihe ukrainischer Volkslieder dar, der Großteil bestand aus bekannten Weihnachts- und Kirchenliedern. Der Applaus wollte nicht enden, so begeistert waren die Zuhörer von dem auf höchstem Niveau Dargebotenen.
Der geschäftsführende Präsident der Österreichisch-Ukrainischen Gesellschaft Dr.h.c. Borys Jaminskyj wandte sich am Schluss der Darbietung mit folgenden Worten an die Zuhörer: „Nun werden sie noch ein Lied hören, das in der Ukraine ein dramatisches Schicksal hatte. Der Text des Liedes "Noch ist die Ukraine nicht gestorben... " wurde vom Dichter Pawlo ?ubyns'kyj verfasst, die Musik komponierte der Priester und Musiker Mychajlo Werbyckyj aus Galizien. In der Zeit als die Ukraine keine Eigenstaatlichkeit hatte, war dies ein patriotisches Lied. Nur in der Periode der Ukrainischen Volksrepublik von 1918 bis 1920 galt es als Staatshymne. Während des kommunistischen Regimes wurde man für die Wiedergabe dieser Hymne nach Sibirien verbannt... Und nun ist die Ukraine bereits 15 Jahre ein unabhängiger und souveräner Staat und dieses Lied wurde zur Nationalhymne“. Der Chor stimmte die Hymne an und die Zuhörer erhoben sich und ehrten die ukrainische Hymne und das ukrainische Volk. Der Organisator dieses Festivals Franz Schuller von der Magistratsabteilung 7 (Kulturabteilung der Stadt Wien) bemerkte, dass die ukrainischen Chorsänger auch im Jahr 2006 - wie schon in den Vorjahren - zu den besten Ensembles gehören, die beim „Internationalen Adventsingen auftreten. (Eine detaillierte Darstellung über dieses künstlerische Ensemble lesen sie in der nächsten Nummer unseres Journals). Lemberg - Wien: Vertiefung der BeziehungenVom 1. - 3. Dezember 2006 weilte der Vorsitzende der Lemberger Gebietsverwaltung Petro Olijnyk zu einem Arbeitsbesuch in Wien. Er nahm an der Präsentation der Briefmarkengemeinschaftsausgabe der Österreichischen Post und der UKRPOSHTA anlässlich der 750-Jahrfeier der Stadt Lemberg teil. In seiner Rede nahm er Bezug auf die alten historischen Beziehungen, die zwischen der Ukraine und der Republik Österreich bestehen. Hiezu bemerkte Petro Olijnyk, dass die „Aktivierung und der Ausbau wirtschaftlicher und kultureller Beziehungen zwischen beiden Staaten, das strategische Ziel der Außenpolitik unseres Landes, der Integation in die europäischen Strukturen, begünstigen".
Die österreichische Seite schlug insbesondere gemeinsame Päsentationen des kulturellen Potentials Wiens und Lembergs in den Jahren 2007 und 2008 vor. Eines dieser Projekte könnte die Veranstaltung von Wien- bzw. Lembergtagen sein. Beide Seiten tauschten auch Gedanken bezüglich Erhalt und Finanzierung der Restaurierung kultureller und historischer Denkmäler aus. Petro Olijnyk besuchte auch das „Internationale Adventsingen“!, das vom Ressort des Stadtrates Dr. Mailath-Pokorny organisiert wird. Das Konzert des Chores „Kamenjar“ aus Drohobycz aus dem Gebiet Lemberg wurde vom Publikum sehr gut aufgenommen und von den Organisatoren des Festivals als besonders gelungen bezeichnet. Die Teilnahme von Chören aus der Ukraine an diesem alljährlich stattfinden Festival wird durch die Österreichisch-Ukrainische Gesellschaft ermöglicht. Am Sonntag, dem 3. Dezember 2006 nahm Petro Olijnyk über Einladung der ukrainischen Diaspora in Österreich an der Feier zum 100. Geburtstag des ukrainischen Komponisten und Dirigenten Andrij Hnatyschyn teil und enthüllte die Gedenktafel an der Fassade der Kirche St. Barbara. In seiner Rede dankte er den österreichischen Ukrainern für die Bewahrung und Verbreitung des ukrainischen Geistes und der Kultur des ukrainischen Volkes im Ausland und hob die Bedeutung des künstlerischen Erbes des im Gebiet Lemberg geborenen Andrij Hnatyschyn für die gegenwärtigen und kommenden Generationen hervor. |